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„Die künftige Rolle des Lebensmitteleinzelhandels in der Wertschöpfungskette – Chancen, Perspektiven, Risiken“

Die Nachfrage nach Lebensmitteln unterliegt hierzulande einem stetigen Wandel. Der Lebensmitteleinzelhandel (LEH) steht vor ganz neuen Herausforderungen. Diese werden vor allem durch gesellschaftliche Entwicklungen geprägt. Getreu dem Motto „Wir sind, was wir essen“ wird Ernährung heute dazu benutzt, Identität zu stiften und sich zu differenzieren. Entsprechend breit sind die Verbraucherwünsche: biologisch, regional, vegetarisch, tierwohlgerecht, nachhaltig und vieles mehr. Der LEH muss Produkte anbieten, die den Trends gerecht werden. Zugleich erwarten Verbraucher absolut sichere und preiswerte Nahrungsmittel. Das führt dazu, dass Standards mehr und mehr auch durch den LEH gesetzt werden.

Mit den wachsenden Ansprüchen der Verbraucher bilden sich zugleich neue Beziehungen zwischen dem LEH und der Landwirtschaft heraus. Sie reichen von der Werbung mit Landwirten bis hin zu strategischen Partnerschaften. Letzteres ist nicht frei von Widersprüchen. Einerseits wird die Nachfragemacht des hochkonzentrierten LEH und der damit verbundene Marktdruck auf die Land- und Ernährungswirtschaft kritisch gesehen. Anderseits bieten feste Lieferverträge eine gesicherte Abnahme und tragen so zum Risikomanagement bei.

Landwirte nehmen den LEH heute deutlich unmittelbarer als Geschäftspartner wahr. Für die weitere Zusammenarbeit wird entscheidend sein, wie Landwirte mit den Forderungen des LEH umgehen, ob und wie Verhandlungen auf Augenhöhe möglich sind – aber auch, inwieweit die höheren Kosten der Standards honoriert werden.

Die Edmund Rehwinkel-Stiftung nimmt sich mit ihrer Ausschreibung 2019 dieses aktuellen wie vielschichtigen Themas an und fördert Studien, die

„Die künftige Rolle des Lebensmitteleinzelhandels in der Wertschöpfungskette – Chancen, Perspektiven, Risiken“

wissenschaftlich untersuchen. Die Studien sollen das Schwerpunktthema in folgenden Bereichen abdecken und Antworten auf entsprechende Fragestellungen geben:

  • Wie wird sich der LEH bzw. dessen Struktur in den nächsten Jahren entwickeln? Wie müssen sich Landwirte und Ernährungswirtschaft positionieren? Welchen Einfluss können neue EU-Regeln gegen unfaire Handelspraktiken haben?

  • Kann sich aus dem Einfluss des LEH ein dauerhafter Spezialisierungsvorteil für die heimische Land- und Ernährungswirtschaft ergeben?

  • Wird künftig mehr eine Produkt- oder eher eine Prozessorientierung die Arbeit der Landwirtschaft bestimmen? Wie müssen sich die Betriebe ausrichten?

  • Welche Möglichkeiten wird die Digitalisierung in der Wertschöpfungskette bieten, Stichworte Online-Vermarktung, Warenrückverfolgung und Qualitätskontrolle?

  • Wie ist die Standardsetzung durch den LEH im Kontext zu staatlichen Kennzeichnungen zu bewerten (z.B. Tierwohllabel)? Auf welche Standards und Zusatzkosten muss sich die Land- und Ernährungswirtschaft künftig einstellen?

  • Wie kann der vielfach geforderte nachhaltige Konsum durch den LEH umgesetzt werden? Welcher Beitrag kommt dabei der Landwirtschaft zu? Welchen Beitrag leistet nachhaltiger Konsum für Welternährung und Klimaschutz?

  • Wie bilden sich Nahrungsmittelpreise und wie werden sie von Stufe zu Stufe übertragen (Preistransmission)?

Geförderte Studien

Prof. Dr. Monika Hartmann:
„Die Bedeutung der Strategien des Lebensmitteleinzelhandels in Deutschland für die Wettbewerbsstellung der Landwirtschaft“

Prof. Dr. Jens-Peter Loy:
„Preisdispersion, Preistransmission und Kostenweitergabe entlang der Wertschöpfungskette bei Milch und Butter in Deutschland“

Prof. Dr. Dirk Schiereck:
„Die künftige Rolle des Lebensmitteleinzelhandels in der Wertschöpfungskette – Chancen, Perspektiven, Risiken“

Prof. Dr. Ramona Teuber:
„Food Retail 2019 - Digitalisierung und Nachhaltigkeit als zentrale Herausforderungen des deutschen Lebensmitteleinzelhandels“

Prof. Dr. Holger Thiele:
„Zusatzkosten in der Milcherzeugung und -verarbeitung unter Einhaltung verschiedener Tierwohlstandards“

 



Die Ergebnisse der Studien werden von den Autorinnen und Autoren im Rahmen des jährlichen Symposiums der Rehwinkel-Stiftung im Jahr 2020 in Berlin einem interessierten Publikum vorgestellt. Die Erstveröffentlichung der Studien soll diesem Termin vorbehalten sein.



Ihr Ansprechpartner

Christian Pohl

Christian Pohl

Tel.: 069-2107-376

Fax: 069-2107-6459