Navigation und Service der Landwirtschaftlichen Rentenbank

Springe direkt zu:

Weniger Importabhängigkeit, mehr Ernährungssicherheit: Studie von Rentenbank und Hatch Blue zeigt erhebliches Potenzial für Aquakultur in Deutschland

Pressemitteilung |

13. Mai 2026

  • Global hat Aquakultur die Fangfischerei als Hauptquelle für aquatische tierische Proteine abgelöst.
  • In Deutschland ist die Produktion noch gering, trotz hoher heimischer Nachfrage werden aktuell rund 90 % Fisch und Meeresfrüchte importiert.
  • Die Studie zeigt, wie durch Innovationen, umsetzbare Regulierung und passende Finanzierung das Potenzial von Aquakultur in Deutschland gehoben werden kann.
Rundes Becken einer Aquakulturanlage mit Wasser und einer darüber verlaufenden Brücke mit Geländer

Frankfurt am Main. Aquakultur ist weltweit betrachtet ein immer wichtiger werdender Teil der Ernährungssicherung. Sie ist eine sehr ressourceneffiziente und nachhaltige Form der Produktion tierischer Proteine. Daraus ergeben sich auch für die Unternehmen der Land- und Ernährungswirtschaft neue wirtschaftliche Chancen. In Deutschland zeigt sich jedoch ein widersprüchliches Bild: Das Land zählt zu den größten Seafood-Konsumenten Europas und verfügt über exzellente technische Kompetenzen sowie eine starke Forschungslandschaft. Dennoch ist die heimische Aquakultur-Produktion im europäischen Vergleich wenig entwickelt. Derzeit werden etwa 90 % des Bedarfs durch Importe gedeckt. Hohe Betriebskosten, Regulierung und Fachkräftemangel bremsen das Wachstum des Sektors. Zugleich bietet Deutschlands technologische Expertise großes Potenzial, diese Lücke schließen zu können.

Das ist die zentrale Erkenntnis der von der Unternehmensberatung Hatch Blue im Auftrag der Landwirtschaftlichen Rentenbank erstellten Studie „Die blaue Zukunft gestalten: Deutschlands Rolle in der europäischen Aquakultur-Technologie“.

„Ernährungssicherheit gewinnt in Deutschland und Europa zunehmend an Bedeutung. Aquakultur kann hierzu einen wichtigen Beitrag leisten und zugleich neue wirtschaftliche Perspektiven für den ländlichen Raum eröffnen. Der Ausbau des Sektors wird derzeit jedoch insbesondere durch hohe Energiekosten und komplexe Rahmenbedingungen erschwert. Umso wichtiger sind innovative Ansätze wie die Integration der Aquakultur in bestehende landwirtschaftliche Systeme. So kann beispielsweise die Nutzung von Abwärme aus Biogasanlagen Betriebskosten senken und die Kreislaufwirtschaft voranbringen“, sagt Nikola Steinbock, Sprecherin des Vorstands der Rentenbank. „Darüber hinaus ist der Zugang zu Kapital entscheidend. Die Rentenbank unterstützt daher den Ausbau der Aquakulturen in Deutschland - von der Forschung und Entwicklung bis hin zur Markteinführung von Anlagen - mit unseren Förderprogrammen“, so Steinbock weiter.

Damit das Potenzial in Deutschland voll ausgeschöpft werden kann, skizziert die Studie konkrete Schritte in den Bereichen Finanzierung, Politik und Wissenschaft:

  • Ingenieurskunst und Fachwissen nutzen: Deutschlands strategischer Vorteil liegt darin, sich durch Forschung und Entwicklung als Innovations- und Wissensstandort zu positionieren und dadurch künftig auch zum Exporteur fortschrittlicher Technologien, Ausrüstung sowie von Produktions- und Verarbeitungssystemen werden zu können.
  • Über die Pilotphase hinausgehen: Der Sektor kann wachsen, indem er fortschrittliche Forschung in marktreife Start-ups verwandelt und unternehmerisches Denken in Universitäten und Forschungseinrichtungen integriert. Spezielle Programme, die auf die einzigartigen Herausforderungen der Aquakulturbranche zugeschnitten sind, können zudem innovative Unternehmen entscheidend bei ihren Entwicklungen unterstützen.
  • Innovative Finanzierung einsetzen: Um die kommerzielle Skalierung zu erreichen, braucht der Sektor einen umfassenden Finanzierungsansatz, einschließlich Förderungen für die Frühphase junger Unternehmen und Infrastrukturfinanzierung investitionsintensiver Start-ups sowie zinsgünstige Darlehen oder staatlich abgesicherte Garantien.
  • Regulatorisches Umfeld vereinfachen: Die Politik kann die Komplexität reduzieren, indem sie Vorschriften standardisiert, einheitliche Genehmigungsprozesse schafft und nationale, bundesländerübergreifende Leitlinien für die Aquakultur entwickelt. Dadurch wird längerfristige Planung ermöglicht.

Die Studie wurde am 7. Mai 2026 im Rahmen des Growth Alliance Networking Summit (GANS) in Frankfurt vorgestellt. Ihre Ergebnisse basieren auf einer umfangreichen Feldforschung und dem direkten Austausch mit Vertreterinnen und Vertretern der Branche. Es wurden Interviews geführt und Aquakultur-Standorte in Deutschland besucht.

„Bei Hatch Blue erkennen wir, dass die deutsche Blue Economy reich an Innovationen ist. Wir hoffen, dass dieser Report Deutschland dabei unterstützt, ein Eckpfeiler eines widerstandsfähigen Lebensmittelsystems und ein führender Exporteur der Technologien zu werden, die die Zukunft der Aquakultur gestalten“, sagt Georg Baunach, Managing Partner und Mitgründer von Hatch Blue.

Die vollständige Studie ist abrufbar unter: www.rentenbank.de/research/

 

Über die Landwirtschaftliche Rentenbank:
Die Landwirtschaftliche Rentenbank ist die deutsche Förderbank für die Agrarwirtschaft und den ländlichen Raum. Der Förderauftrag schließt neben der Land- und Forstwirtschaft sowie der gesamten Wertschöpfungskette Lebensmittel den Ausbau erneuerbarer Energien ebenso ein wie die Förderung der Bioökonomie. Besonderes Gewicht liegt auf der Innovationsförderung. Sie reicht von der Forschung und Entwicklung an Hochschulen über die Frühfinanzierung agrarnaher Start-ups bis hin zur Markt- und Praxiseinführung neuer Technologien und Produkte. Die Förderinstrumente der Rentenbank sind Zuschüsse, Nachrangdarlehen und Programmkredite. Die Programmkredite werden wettbewerbsneutral über die Hausbanken der Endkreditnehmer vergeben. Die Rentenbank refinanziert Banken, Sparkassen und Gebietskörperschaften mit Bezug zum ländlichen Raum. Die Bank ist eine bundesunmittelbare Anstalt des öffentlichen Rechts, deren Grundkapital von der Land- und Forstwirtschaft der Bundesrepublik Deutschland aufgebracht wurde. Sie unterliegt dem KWG und wird von der BaFin und der Bundesbank beaufsichtigt. Die Förderbank refinanziert sich an den Finanzmärkten und gehört zu den wenigen Triple-A-Adressen Deutschlands.

Über Hatch Blue:
Hatch Blue ist ein globales Investmentunternehmen, das sich auf den Bereich Aquakultur spezialisiert hat. Durch strategische Investitionen, ergänzt durch unsere Beratungs- und Venture-Programm Einheiten, bauen wir weltweit führende Unternehmen in der Aquakultur auf. Hatch Blue fördert Innovationen entlang der gesamten Wertschöpfungskette der Aquakultur, vom ersten Konzept über die Kommerzialisierung bis hin zu Investitionen und der praktischen Umsetzung.

Hatch Blue wurde mit dem Ziel gegründet, nachhaltige Lösungen für die Seafood-Branche zu fördern, die den Meeren, Ökosystemen und zukünftigen Generationen zugutekommen. Unsere globale Präsenz erstreckt sich über die wichtigsten Aquakulturmärkte und wird durch ein breites Netzwerk von Experten und Portfoliounternehmen unterstützt.

Weitere Informationen: www.hatch.blue