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Schlüsselrolle von Banken – Risikomanagement ist Trumpf Green Finance: Landwirtschaft klug finanzieren

Blogpost |

27. März 2026

steinbock spricht über...
Die Risikolage für Wirtschaft und Finanzmärkte hat sich grundlegend verändert. Klimawandel, geopolitische Spannungen, fragile Lieferketten und der Verlust natürlicher Ressourcen wirken nicht mehr isoliert, sondern verstärken sich gegenseitig. Extremwetter trifft auf geschwächte Ökosysteme und führt zu Ertragsausfällen und Preisschwankungen bis hin zu regionalen Strukturbrüchen.

Green Finance: Landwirtschaft klug finanzieren

Klimarisiken betreffen dabei nicht nur einzelne Branchen, sondern die gesamte Wertschöpfung. Funktionsfähige Ökosysteme, fruchtbare Böden und verlässliche Wasserverfügbarkeit sind zentrale Produktionsfaktoren. Ihr Verlust kann daher auch die Stabilität von Kreditportfolios beeinträchtigen – und macht Naturrisiken zu einem Thema für Banken und Finanzmärkte.

Regulierung ist richtig – muss aber praktikabel bleiben

Diese enge Verknüpfung von Klima- und Naturrisiken mit der Stabilität des Finanzsystems hat den Gesetzgeber dazu veranlasst, entsprechende Risiken systematisch in die Risikoregulatorik einzubeziehen. Mit Instrumenten wie der EU-Taxonomie, der CSRD und erweiterten Offenlegungspflichten wurde darüber hinaus ein Rahmen geschaffen, der Risiken für Investoren und Aufseher vergleichbar und transparent macht.

Diese Entwicklung ist grundsätzlich sinnvoll: Denn belastbare Risikoanalysen und eine effiziente Kapitalallokation sind nur mit verlässlichen Informationen zu Klima- und Naturrisiken möglich. So kann die Finanzindustrie ihr Kapital gezielt dort einsetzen, wo echte Transformation stattfinden kann – und verhindert, dass Risiken lediglich verschoben werden.

Damit Regulierung wirksam bleibt, muss sie jedoch auch praktikabel sein. Mit den Omnibus-Verordnungen hat der europäische Gesetzgeber nachgesteuert: Übergangsfristen wurden verlängert, Datenanforderungen präzisiert und unnötige Komplexität reduziert. Das erhöht die Planungssicherheit, ohne das Ziel aus den Augen zu verlieren, Klima- und Naturrisiken systematisch auch in Finanzentscheidungen zu integrieren.

Gleichzeitig bleiben viele Anforderungen aus dem Aufsichtsrecht für Banken bestehen. Für sie steigen die Anforderungen an das Risikomanagement weiterhin deutlich: Banken werden aller Voraussicht nach künftig detailliertere Informationen zu Klima- und Naturrisiken erfassen, bewerten und in ihre Planung integrieren müssen – etwa Treibhausgasemissionen, Biodiversität oder klimabedingte Produktionsrisiken in den von ihnen finanzierten landwirtschaftlichen Betrieben.

Ein Rückzug aus der Agrarfinanzierung verstärkt Risiken

In der Praxis entsteht aufgrund der Fülle der Anforderungen mitunter der Eindruck, ein Rückzug aus besonders anspruchsvollen Engagements könne regulatorischen Druck mindern – insbesondere in der Agrarfinanzierung, die häufig pauschal als emissionsintensiv gilt. Kurzfristig lassen sich Kennzahlen verbessern und Berichtspflichten vereinfachen. Risiken werden dadurch jedoch nicht reduziert, sondern verlagert – und langfristig sogar verstärkt.

Ein pauschaler Rückzug aus der Agrarfinanzierung hat unmittelbare Folgen: Landwirtschaftliche Betriebe verlieren den Zugang zu Kapital, das sie für Investitionen in klimaresiliente und biodiversitätsfördernde Produktionsweisen benötigen. Ohne Finanzierung bleibt Transformation aus – nicht aus fehlender Bereitschaft, sondern aus mangelnder Unterstützung.

So verschärfen sich genau jene physischen Risiken, die eigentlich reduziert werden sollen. Umweltbelastende Produktionssysteme bleiben bestehen, während Investitionen in Bodenfruchtbarkeit, Wasserhaushalt und Biodiversität ausbleiben. Die Folgen wirken entlang der gesamten Wertschöpfungskette und schlagen sich in Ertragsausfällen, Preisschwankungen und sinkenden Sicherheitenwerten nieder. Statt Risiken zu vermeiden, kehren sie so mit größerer Wucht in die Portfolios der Kreditinstitute zurück.

Transformation finanzieren und Risiken aktiv steuern

Die Finanzindustrie trägt eine besondere Verantwortung – und verfügt zugleich über große Gestaltungsmöglichkeiten. Statt ihre Bilanzen vermeintlich von Risiken zu befreien, sollten sie beispielsweise die Agrarfinanzierung vielmehr als Teil eines nachhaltigen Risikomanagements betrachten.

Insbesondere Sparkassen und Regionalbanken haben durch ihre Nähe zu den Betrieben einen strukturellen Vorteil. Sie können Transformationsbereitschaft, technologische Entwicklungen und regionale Besonderheiten realistisch einschätzen – und diese somit in ihr Risikomanagement einbinden. Das ermöglicht differenzierte Kreditentscheidungen, die begleiten statt ausschließen, und stärkt die regionale Stabilität.

Als Förderbank für die Landwirtschaft und die ländlichen Räume unterstützen wir diesen Prozess: Wir fördern Investitionen in moderne, emissionsärmere Produktionsweisen, Klimaschutzmaßnahmen sowie Technologien zur Stärkung von Biodiversität und Bodenfruchtbarkeit. Über die Refinanzierung von Darlehen, die über Geschäftsbanken vergeben werden, schaffen wir einen Hebel für nachhaltige Investitionen. Ergänzend unterstützen wir Banken mit praxisnahen Hilfen – etwa mit unserem Fachkonzept zur Einordnung landwirtschaftlicher Treibhausgasemissionen –, um Nachhaltigkeit im Kreditprozess sachgerecht und ohne unnötige Bürokratie zu bewerten.

Gestaltung statt Vermeidung

Green Finance bedeutet nicht, Risiken aus den Büchern zu streichen, sondern sie aktiv zu steuern. Ein Rückzug aus der Agrarfinanzierung reduziert Risiken nicht – er verlagert und verstärkt sie langfristig. Eine leistungsfähige, nachhaltige Landwirtschaft ist daher kein Risiko für Banken, sondern ein zentraler Hebel für Resilienz, wirksames Risikomanagement und langfristige Finanzstabilität.

Die Landwirtschaft ist einer der Sektoren ist, die aller Voraussicht nach ihre Klimaziele 2030 erreichen werden. Die kontinuierlichen Anpassungen tragen dazu bei, den Transformationsprozess planbar zu gestalten. Vor diesem Hintergrund sollten Finanzinstitute ihr Agrarfinanzierung nicht pauschal reduzieren, sondern weiter gezielt in Transformation investieren – durch differenzierte Kreditentscheidungen, eine stärkere Datenbasis und partnerschaftliche Begleitung der Betriebe. Nur so werden Klima- und Naturrisiken wirklich beherrschbar und die Stabilität von Wirtschaft und Finanzsystem langfristig gesichert.

#GreenFinance #Landwirtschaft #Resilienz

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